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11
Jan
2006

Fragen UND Antworten!

Kinder brauchen Fragen UND Antworten!

Vor einiger Zeit habe ich einem Lehrer kennen gelernt. Wir standen so beieinander und es kam dazu, dass wir uns vorstellten. "Hallo", sagte der Lehrer und erzählte, dass er ein Lehrer sei. "Ahhh", sagte ich, "ein Lehrer, Lehrer treffe ich ja immer wieder gerne." "Wieso", fragte da der Lehrer. "Ja, Lehrer wissen eben Bescheid, sie kennen die Antworten auf die Fragen, die mir meine Kinder so alltäglich stellen und wenn ich mal etwas überhaupt nicht weiß, da habe ich gerne ein, zwei Lehrer in Petto, die ich dann anrufen kann", erwiderte ich. Was ICH denn mache, fragte da der Lehrer. "Ich bin Hausfrau und habe einen etwas anderen Leitfaden zur Verbesserung der Allgemeinbildung geschrieben", sagte ich. "Wie sind sie denn darauf gekommen?", hakte er nach. "Naja", sagte ich, "die Frage wird mir immer wieder gestellt, das hatte viele Gründe, aber ein ganz wesentlicher war, dass ich auf die Fragen meiner Kinder keine befriedigenden Antworten wusste. Insbesondere aus der Schule kamen viele Fragen und Hausaufgaben, zu denen meine Kinder nur unsichere Antworten und Lösungen bekamen. Um ihnen zu helfen, musste ich auf die Suche nach Antworten gehen. Sie selber waren damals noch zu klein. Wie und wo ich die Antworten im Alltag so fand, habe ich dann aufgeschrieben und so ist der Leitfaden entstanden. Wissen Sie, ich frage mich, warum man den Kindern nicht zu den Aufgaben, die man ihnen stellt, eindeutige Antworten mitgibt." "Ach", sagte da der Lehrer, "da treten sie bei mir offene Türen ein. Das sehen zwar nicht alle Kollegen so, aber ich fordere schon seit langem den Kindern die Lösungen zu den Aufgaben zu geben." "Ach", erwiderte ich nun hellauf erfreut, "genau! Wir brauchen eindeutige und sichere Lösungen. Sehen sie, ich habe die Mathematik erst wirklich im Studium verstanden. Da haben sie uns nämlich zu den Aufgaben die Lösungen dazu gegeben."
Es war ein sehr nettes Gespräch mit dem Lehrer und ich fühlte mich in meiner Forderung bestätigt, den Kindern eindeutige Lösungen zu geben. Die Lehre bleibt vielen Schülern ein Geheimnis, wenn man ihnen keine klaren Lösungen gibt. Ja, ich wage zu behaupten, viele scheitern, weil man ihnen keine Lösungen gibt. Der Kasus Knacktus in unserem Bildungssystem sind meiner Ansicht schlicht und einfach fehlende Lösungen. Deshalb fordere ich hier und heute von den Verantwortlichen, den Kindern die Lösungen zu ihren Aufgaben zu geben. Aber, wen interessiert es? Wer hat Lust auch noch Geld für die Lösungsbücher auszugeben?
Die einzigen Kinder, die keine Lösungen benötigen, sind übrigens die Lehrerkinder, die haben sie nämlich meistens. Denn es gibt zu den meisten Aufgaben in unserem Schulsystem Lehrerlösungen, die auch nur die Lehrer bestellen können. Wie ungerecht...

Und aus dem Äther schreien Millionen von Kindern nach Antworten, aber niemand will sie hören...

© Loriotta 11.1.06

OhBehave - 11. Jan, 17:25

Hmmm ... verwunderlich nen Lehrer mit dieser Einstellung zu treffen. War der kurz vor dem Ruhestand? Denn letztlich erklärt sich ein Lehrer, der die Lösungen vorab schon rausgibt, doch selber für überflüssig.
Ok, ok ... so ein paar Aufgaben hätte er dann schon noch: Anwesenheitskontrolle, die Klasse zur Turnhalle führen, am "Wandertag" den Busfahrer einweisen etc. Denn Lehrer die noch wirklich lehren können sind selten geworden. Das ist doch oft der letzte Rest Spannungsbogen der noch bleibt zwischen "Lehrer" und Klasse nämlich "was kommt raus?".
Wenn der Schüler jetzt jedoch als "Anhang A" in seinem Schulbuch so ein richtig schön angerichtetes Lösungsbuffet vorfindet, ja womit soll er sich denn dann selber noch zur Aufmerksamkeit im Unterricht reitzen? Oder zum mentalen Durchbeissen bei den Hausaufgaben? "Och, keine Lust ..." - schlag nach im Anhang A. Ne, ne ... das gibt nur noch mehr "Flinte ins Korn"-Werfer.
Oder bin ich zulange aus der Schule? Denn Du schreibst ja in deinem Text
"... zu denen wir nur unsichere Antworten und Lösungen bekamen."; das soll aber doch wohl nicht heissen, dass die Lehrer deiner Kinder selber nicht die Lösungen der Hausaufgaben wissen? Oder wie?

Learning Without Borders - 11. Jan, 17:53

@ OhBehave 1. Du schreibst: "Lehrer, die noch wirklich lehren können, sind selten geworden." Dem muss ich leider zustimmen :-( 2. Ich glaube aber nicht, dass man noch mehr "Flinte ins Korn-Werfer", wie du es nennst, bekäme (geht eigentlich noch mehr?). Im Gegenteil. Man muss nur richtig vorgehen. Man könnte es doch so machen. Am ersten Tag werden die Aufgaben gegeben. Die Kinder müssen die Lösungen alleine finden. Am nächsten Tag gehen die Kinder dann in die Schule und alles wird besprochen. Nach der Besprechung bekommen dann alle Kinder noch einmal eindeutige Musterlösungen vom Lehrer - ordentlich sauber gedruckt, preußisch korrekt, wie in der Bildzeitung gefordert :-) Und dann müssen die Kinder die Aufgaben noch einmal sauber abschreiben. Das ist zwar primär etwas mehr Mühe, aber wenn sich das System erst eingeschliffen hat, ist es sicherlich sehr effektiv. 3. Die Ursachen, warum ich oftmals nur "unsichere Antworten und Lösungen" bekomme, sind meines Erachtens sehr vielschichtig. Vielleicht Gleichgültigkeit mancher Lehrer? Pädagogische und didaktische Unfähigkeit mancher Lehrer? Unerzogene und laute Kinder, die den Unterricht stören? Gleichgültigkeit der Eltern, die dieses Verhalten bei den Kindern und am Ende auch bei Lehrern erzeugen? Große Klassen? Schlechte Lehrbücher? Scheint mir ein Teufelskreis zu sein, der primär nur durch Autorität und Disziplin zu durchbrechen ist....
OhBehave - 11. Jan, 18:36

@ Learning Without Borders:
Absolut! da geb ich dir recht. Wobei Du (oder wir) hier gewaltig gegen den Strom rudern. Denn diese Autorität und Disziplin kann natürlich nicht erst in der Schule beginnen, die müsste schon früher "installiert" worden sein. Genau da liegt der Hase im Pfeffer. Wie will man den sowas von einer Gesellschaft einfordern, in der Sendungen wie "Die Supernannie" Quotenbringer sind? In der die Zahl der Fälle von Kindesverwahrlosung immer mehr steigt? In der man Kinder ein Zimmer nebendran verhungern lässt? Vor den Schülern bräuchten zu allererst mal viele Eltern ein Lösungsheft - vermutlich auch für sich selber! Hier wirds dann schwierig, denn was mir in den zwei Folgen "Supernannie", die ich gesehen hab, aufgefallen ist, welche Distanz da zwischen der Mutter und ihrem "Problemkind" war; emotionale Distanz oder eigentlich konkret Ablehnung von Seiten der Mutter. Also ich weiss nicht ... vielleicht sollte man mal über nen Elternführerschein nachdenken.
Learning Without Borders - 11. Jan, 19:02

@OhBehave: Kinder bedürfen der liebevollen Hingabe und geduldiger Führung von Geburt an. Sie brauchen ein beständiges Elternhaus und eine gesunde Gesellschaft. Und was bekommen sie? Aaargh! Ich kann gar nicht weiter schreiben. In mir steckt die Tiefenwut. Aber ich will wenigstens die Lösungen von den Verantwortlichen. Eins muss ich noch schreiben. Scheiß Fernsehen - und das, wo es alle Möglichkeiten hätte uns friedlich in die Zukunft zu bringen. Ausnahmen bestätigen aber die Regel: Kinderkanal ist eine glatte Eins. Ich guck den jetzt auch schon immer. CleverTV mit abgemilderten Nachrichten - ich kann diese Blutbäder auf den anderen Nachrichtensendern nicht mehr sehen....
OhBehave - 11. Jan, 23:44

Tiefenwut! sehr gutes Wort in dem Zusammenhang. Nimmt mir die Gefühle quasi aus dem Mund. Tiefenwut - das passt!
Von CleverTV haben mir jetzt schon mehrere Leute positives erzählt, habs selber noch nicht geguckt. Aber ist schon krass, wenn sich die Feinmütigen in den Nachrichten für Vorschulkinder informieren bzw. das Abendprogramm nur in Begleitung ihres Therapeuten durchstehen.
Doch während wir hier flammende Blogeinträge verfassen, wurde mittlerweile in Holland das erste Kind im dortigen Big Brother Haus geboren und vermutlich auch gezeugt - "dezent" hinter so einer Stellwand, also zumindest die Geburt ... KRANK
Learning Without Borders - 12. Jan, 08:17

@OhBehave: Ahhh, da haben wir ja heute auch gleich den passenden Leitartikel in der Kieler Nachrichten auf Seite 1: "Milliarden verpuffen im Schulsystem. Studie: Schülern wird zu spät geholfen. Köln/Kiel: Die ungenügende Schulbildung vieler Jugendlicher belastet Staat und Gesellschaft mit erheblichen Kosten: Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln verpufften allein im Schuljahr 2004/05 etwa 3,7 Milliarden Euro, weil Jugendliche ihren Abschluss an der Haupt- oder Berufsschule nicht geschafft haben beziehungsweise eine Klasse wiederholen mussten. ..." Eine Lösung des Problems ist, dass man den Kindern und den Eltern Musterlösungen (wie oben besprochen) gibt - nur dann können sie zu Hause alleine lernen. Ganz sicher bin ich da! Aber es wird nirgendwo thematisiert. Ja, ich glaube es gibt an dieser Stelle gar kein Problembewusstsein, aber das muss her. Der Zweitschulmarkt lebt sogar von diesem Problem. "Und während in Skandinavien die Schulen für Nachhilfe sorgen müssen, geben deutsche Eltern jährlich 4,6 Milliarden Euro aus, um privat das fehlende Wissen zu vermitteln." (Zitat auch Artikel Kieler Nachrichten). Ich könnte schreien!!! Bitte ihr da draußen an den Rechnern, wenn ihr dieses Problem versteht oder wenn ihr es auch habt, könnt ihr es auf euren Blogs thematisieren? Ihr könntet damit vielen Menschen helfen und insbesondere den Kindern. Die Diskussion um die Musterlösungen gehört in alle Medien und muss umgehend beginnen....
OhBehave - 12. Jan, 09:10

Mal wieder die Skandinavier!
Da kann man schon mal kurz neidisch werden. Die Schweden, Finnen usw. die habens irgendwie besser im Griff bzw. in den Griff bekommen (was man so hört, selber leben tut man da ja nicht). Aber ich denk das liegt am Gen-Charakter. Diese nordischen Völker haben sowas Unneidisches, Offenes und Sympatisches an sich, da kann ja nur ein sympatischer Staat bei rauskommen.
Learning Without Borders - 12. Jan, 10:01

Ich kann dieses Gejammer über das Bildungssystem nicht mehr ertragen. Für mich persönlich habe ich es ja irgendwie mit meinem Leitfaden zur Verbesserung der Allgemeinbildung gelöst. Und wer gute Beziehungen hat, hat ja vielleicht auch Lösungen. Aber sozial schwächere, intellektuell schwächere Familien - NO WAY! Sie können durch dieses Bildungssystem nicht durchkommen. Sie haben keine Chance. Nicht am Gymnasium, nicht an der Realschule und nicht an der Hauptschule. Unser Bildungssystem ist ein himmelschreiender Skandal. Immernoch - trotz tausendfacher Erwähnung in den Medien. Dabei gibt es so einfache Lösungen für die Probleme des Bildungssystems, zum Beispiel dass man Musterlösungen offiziell freigibt. Es gíbt sie ja bereits, man kommt nur nicht dran. Ich will Musterlösungen für die Fragen und Hausaufgaben meiner Kinder und für alle anderen Kinder dieser Gesellschaft. Die Kinder sind überhaupt nicht blöd. Es ist unsere bis in die Eliten verblödete Gesellschaft, die es nicht mehr schafft die Kinder durchzubringen. Aaargh! Alle die auch gerne Musterlösungen für die Hausaugaben ihrer Kinder hätten, könnten sich zum Beispiel hier im Beitrag äußern oder etwas zum Thema Musterlösungen in ihrem Blog schreiben. Bitte, bitte helft dem Thema Hausaufgaben und Musterlösungen zu einer breiteren Diskussion. Bitte....
Windrider - 13. Jan, 22:53

Lösungen für Kinder

Hi liebe Loriotta,
also natürlich gibt es viele Lösungshefte für noch mehr Schulbücher. Und natürlich gibt es genauso Lösungshefte, die nur für Lehrer bestimmt sind. Die bekommt man dann nur mit einem Schulstempel. Aber fast alle Lernhilfen gibt es mit Lösungen, die im Buch entweder beigelegt sind oder mit dem Buch fest verbunden sind. Bei Schulbüchern schaut die Sache wie gesagt anders aus. Da gibt's oft auch für die Lehrer keine Lösungen ;-). Aber daran alleine liegt's auch nicht. Vieles von den Lerninhalten scheint mir schlicht veraltet zu sein. Und vieles wird nicht einmal "gelernt" - denn dazu müßten die Schüler wissen, wie man lernt. Das wiederum wissen sie nicht, weil ihnen das in der Schule nicht beigebracht wurde. Da beißt sich die Katze doch in den Schwanz!
lg Windrider

Learning Without Borders - 14. Jan, 09:27

Danke liebe Windrider, dass du etwas zu diesem Thema beigetragen hast. Das Problem sind meines Erachtens tatsächlich unbefriedigende Lösungen für die Hausaufgaben, die dann wiederum Grundlage der Klassenarbeiten sind. Diese unbefriedigenden Lösungen haben vielschichtige Ursachen, die manchmal bei den Lehrern, manchmal bei den Schülern und manchmal in den Arbeitsmaterialien liegen. Beispiel 1: Ich kann mich an eine Begebenheit in der Schule erinnern, da habe ich den Lehrer gefragt, ob wir nicht zu den gängigen Übungsarbeiten auch Lösungen bekommen könnten. Ohne korrekte Lösungen sind solche Übungsarbeiten recht witzlos. Da sagte der Lehrer: Nein, da hätten die Lehrer keine Arbeitszeit mehr zur Verfügung und gab mir dezent zu verstehen, dass ich vorsichtig mit solchen Forderungen sein solle, da noch nicht einmal die Übungsarbeiten Pflicht sein. Sozial und intellektuell schwache Familien bekommen spätestens an dieser Stelle ein Problem. Beispiel 2: Viele Schulbücher sind schlecht. Sie geben keine Antworten auf die von den Lehrern gestellten Fragen. Wie oft sitze ich mit meinen beiden großen Söhnen und suche nach Antworten auf die Fragen der Lehrer und es steht nichts im Buch! Gut man kann natürlich immer irgendwas hinschreiben, was die meisten ja wohl auch machen, aber meine Vorgehensweise ist das nicht. Beispiel 3: Die Klassen sind groß. Es gibt viele Kinder die stören, was wiederum zu Lösungsverlusten führt. Ich fordere aus oben genannten Gründen Musterlösungen für alle Kinder! Damit die Kinder es leichter haben, damit die Eltern es leichter haben und damit die Lehrer es leichter haben. Nur ein kleiner Schritt für die Politik, aber ein großer Schritt für die Gesellschaft :-)
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Loriotta

Learning Without Borders

Zitat aus meinem Brief an den Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen vom 17.11.06

..."Wikipedia ermöglicht uns heute enorme Lerngeschwindigkeiten. Unsere Kinder behindern wir aber, indem wir die Lösungen nur für die Lehrer bereit halten. Dieses System ist überaltert und muss kurzfristig überdacht werden."...

Ein Sylter Sommer

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zuckerwattewolkenmond - 25. Dez, 00:30
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zuckerwattewolkenmond - 1. Okt, 00:12
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Learning Without Borders - 11. Sep, 08:56
Hi Loriotta,
richtig "nett" finde ich das Zitat von Herrn Dr. von...
Windrider - 10. Sep, 22:39
Na gut.
*seufz*
zuckerwattewolkenmond - 12. Aug, 21:57

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