Verweis
Verweise - Jetzt auch für Lehrer?
Beim Mittagessen ging es heute recht lustig zu. Ein Freund meines 11-jährigen Sohnes kam überraschend mit und irgendwie wurde bei Tisch nur gewitzelt und gelacht. Schule, Schulkameraden, Lehrer, Vogelgrippe, mein Essen, alles wurde eingehend diskutiert und durch den Kakao gezogen. Ich weiß gar nicht mehr, wie wir darauf kamen, aber plötzlich stand die Idee im Raum, den Lehrern, bei eklatantem Fehlverhalten, Verweise direkt durch die Schüler zu erteilen.Dazu darf ich vielleicht kurz erklären, dass Verweise üblicherweise von den Lehrern an die Schüler erteilt werden, wenn diese eklatantes Fehlverhalten ans Tageslicht legen. Die Vergaberichtung von Verweisen ist also bisher nur umgekehrt möglich. Dem Verweis folgt meist irgendeine Strafarbeit, wie z.B. die Schulordnung abschreiben oder gar ein Eintrag auf das Zeugnis.
Die Idee, den Spieß umzudrehen und zukünftig den Lehrern Verweise für eklatantes Fehlverhalten zu erteilen, stieß bei den Kindern auf große Begeisterung. Endlich ein effizientes Mittel sich Gerechtigkeit und Gehör zu verschaffen! Sofort folgten nun detaillierte Planungen, was die Stimmung beim Mittagessen stark ansteigen ließ. Diese äußerst amüsanten Planungen zur "Verweisvergabe für Lehrer" führten nun zu folgenden Ergebnissen. Ich male die Verweise. Geplant sind so hübsche, rote, länglich gestreckte Pappdreiecke, so ähnlich wie richtungsweisende Straßenschilder, nur deutlich kleiner. Auf den Pappdreiecken steht dann in schwarzen Lettern "Verweis!". Wenn nun ein Lehrer eklatantes Fehlverhalten ans Tageslicht legt, bekommt er vom Klassensprecher diesen Verweis ausgehändigt. Zur Strafe muss der Lehrer dann die Schulordnung abschreiben und bekommt einen Eintrag aufs Zeugnis.
Diese Vorgehensweise fanden alle Kinder einvernehmlich zufriedenstellend. Sogleich waren auch schon Zielpersonen für Verweise ausgemacht, die ich hier aus Sicherheitsgründen :-) nicht nennen möchte. Ehrlich gesagt, fand ich aber, dass die Kinder die Verweise sehr korrekt und ordentlich verteilt hatten, weshalb ich dieser unserer Idee nicht nur einen komischen Stellenwert zuordnen möchte. Kinder sind kleine Erwachsene und müssen ihrem Unbill über Fehlverhalten ihrer Lehrer, welches sie meist sehr deutlich empfinden können, auf eine sachliche Art und Weise Ausdruck verleihen können. Sie müssen und dürfen nicht jedes Verhalten ihres Lehrers dulden. Lehrer müssen und dürfen ja auch nicht jedes Verhalten ihrer Schüler dulden :-)
Ich muss sagen, die Planung zur Vorgehensweise der Erteilung von Verweisen für Lehrer war ein wahrhaft lustiges Unterfangen, bei dem die vier anwesenden Kinder und ich herzhaft lachen mussten. Nicht mehr halten vor Lachen konnten wir uns alle allerdings, als ein Kind die Frage stellte "Und was ist, wenn ein Lehrer mehr als drei Verweise bekommt?" und zwei der Kinder daraufhin gleichzeitig ausriefen "Dann fliegt er von der Schule!"
Learning Without Borders - 3. Mrz, 14:33


